Geschichte Drentwede

Auszug aus dem Buch „Drentwede – Geschichte und Geschichten“

Herausgeber: Gemeinde Drentwede

Alle Rechte, auch die des auszugweisen Nachdrucks und der photomechanischen Wiedergabe bei den Verfassern
Hersteller: Druckhaus D.C. Lampe GmbH, Harpstedt

Haus und Hof

Ein Abriss zur Drentweder Siedlungsgeschichte

Unsere Heimat ist von der Natur nicht sonderlich reich beschenkt worden: Es gibt hier weder fruchtbare Ackerböden noch saftige Wiesen. Noch vor 150 Jahren sah es so aus:

"Hier sieht man oft Stundenweges nichts anderes, als magere braune Heide und in derselben einzelne Heidschnucken - Herden, die hier ihre Nahrung suchen, und durch das Getöse ihrer Glocken und durch ihr Blöcken die tote Stille der Gegend unterbrechen. An einigen Stellen ist der dürre Sand von der Heidnarbe entblößt und ein Spiel der Winde. Die Dürre und Unfruchtbarkeit des Bodens wird noch durch eine Lage braunen oder schwarzen Ortssteins erhöht, welcher sich an den meisten Stellen einen Fuß tief unter der Oberfläche findet, und so fest ist, daß er keine Feuchtigkeit durchläßt, .. Daher sieht man hier und da nur einzelne Bauernhöfe oder kleine Bauerschaften, deren Bewohner die großen Heidefelder um sich her mit Plaggenstechen und Schafweiden benutzen, um ihren Ackerfeldern den nötigen Dünger geben zu können. Nur dem Fleiß dieser Menschen ist es zuzuschreiben, wenn diese Ackerfelder einen ziemlich guten Ertrag an Getreide gewähren, von welchem Roggen die Hauptfrucht ist, der Jahr um Jahr auf demselben Lande ohne Abwechselung angebaut wird."

Diese Schilderung von Carl Heinrich Nieberding wäre 1000 Jahre früher ähnlich ausgefallen, als die Drentweder Gegend erstmals schriftlich erwähnt wurde.

Doch nicht Drentwede erschien in den Registern des Klosters Corvey, sondern ein Ort, der heute "Gerdinghusen" heißen könnte. Wie kam es dazu? Die Sachsen hatten sich im Verlauf er Völkerwanderung in unserem entvölkerten Gebiet niedergelassen. Die Franken unter Karl dem Großen besiegten die Sachsen und zwangen ihnen das Christentum auf. Es wurden Klöster gegründet, und um deren Existenz zu sichern, wurden ihnen Höfe überschrieben. Über die Missionszelle Visbek und die St. Veit Kirche in Barnstorf war das hiesige Gebiet eng mit dem Kloster Corvey verbunden. So übergaben ein gewisser Gelo um 870 einen halben Hof aus Gerdinghusen und um 965 ein gewisser Albert eine hörige Familie aus Gerdinghusen an das Kloster Corvey. Auch der Zehnte wurde an das Kloster geliefert, so aus Gerdinghusen 7 Wolltücher. Aufgrund der großen Entfernung verlor das Kloster zusehends an Einfluß. So übernahm das Bistum Osnabrück im Jahre 1077 den Zehnten aus unserem Gebiet. Um 1250 leisteten neben Detbert aus Gerdinghusen auch Dagtmar und Lefhard aus Drentwede Abgaben an das Bistum Osnabrück. Hier wurde der Ort Drentwede erstmalig erwähnt.

Der Hof Adelhorn wurde zum Handelsobjekt: Vom Bistum Osnabrück nach Wildeshausen (1265), von dort nach Delmenhorst und schließlich (1354) nach Hoya. Erst 1681 kam der Hof Adelhorn zum Amt Diepholz, dem auch die übrigen Drentweder Höfer verpflichtet waren.

Die ältesten Höfe, die Vollerben, waren schon vor dem Jahr 1000 angelegt worden. Oftmals waren es Einzel- oder Doppelhöfe, die auf den wenig fruchtbaren Sandinseln angelegt wurden und durch Niedermoore voneinander getrennt waren: Freesenheede, Sudholz, Schmolte (Meyer und Katau), Uhlhorn, Adelhorn und Rüstingen (Rustmann und Teggemann).

Für die Anlage eines Dorfes bedurfte es größerer ackerfähiger Böden. Auch ein leichter Zugang zu einem Bach war wichtig. So entstand an der Beeke ein früher Ortskern, mit den Höfen: Nordmann, Bokelmann, Niederbuhr, Kruse und Hesselmann. Sämtliche Vollerbenhöfe waren in etwa gleich groß; jeder besaß 60 Morgen = 15 Hektar Ackerland.

Die nachfolgenden Hofgründungen , die Kötner, suchten die Nähe bestehender Siedlungen. In Gerdinghusen, wahrscheinlich in unmittelbarer Umgebung des heutigen Dieckhaus gelegen, hatten sich neben dem Vollerben Wiechers die Kötner Dieckmann, Wübbeler, Windeler, Ohmann, Riedemann und Schwarze niedergelassen. Die Ansiedlung war nicht ideal, denn es gab keine Fließgewässer, und man konnte sich nur schlecht verteidigen. Vom Schmolter Kienmoor bis zum Aasbruch wurde eine Landwehr angelegt, aber auf Dauer war die Siedlung so nicht zu halten. Der Ort wurde um 1500 aufgegeben, Wiechers, Ohmann, Riedemann, Schwarze und Windeler ließen sich ebenfalls an der Beeke nieder. Wübbeler zog nach Schmolte, nur Diekmann blieb. Die Felder wurden von den neuen Wohnorten aus weiter bewirtschaftet, wodurch längere Anfahrtswege entstanden. Der alte Ortsname wurde allmählich vergessen. 1697 erschien er zum letzten Mal in einem Ackerlandverzeichnis, doch ist er bis heute möglicherweise im Namen "Diekhaus" erhalten geblieben.

Die Bevölkerung wuchs trotz Seuchen und kriegerischer Auseinandersetzungen. Für neue Ansiedlungen blieb nur wenig Platz. So entstanden relativ kleine Hofstellen auf dem "Brink", an der Grenze zwischen Dorf und Gemeindeweide. Das Dorf war von einem Wall mit Strauchwerk umgeben, also "eingehägt". Der Durchgang zur offenen Gemeindeweide war durch ein Tor gesichert, der "Hake". Die Höfe Hakemann und Kruse vor der Hake weisen auf die alte Flurbezeichnung hin. In der Nähe siedelte sich Runge an. In Schmolte verdoppelte sich durch die beiden Becker - Höfe und Kayser die Anzahl der Hofstellen.

Spätere Hofgründungen im 17. Jahrhundert waren die Feuerstätter, die neben dem Haus der "Feuerstätte", nur noch einen kleinen Garten besaßen.
Der Siedlungsplatz Diekhaus wurde erweitert: Mohrmann hatte im 16. Jahrhundert von Wiechers Ackerland erworben. Der Hof Kl. Diekmann entstand um 1690. Zur gleichen Zeit wurde der Holzkrug angelegt. Der Gründer hatte einen ausgezeichneten Platz gefunden. Die alte Heerstraße führte hier entlang, und in der Nähe lag die Grenze zur Grafschaft Hoya mit Zollstation. Im Süden schloß sich das Drentweder Holz an. So hatte er drei Einnahmequellen: Er war Gastwirt, Wegegeldeinnehmer und "Holzknecht", der Verwalter des Drentweder Holzes.
In Drentwede entstand entlang der Beeke eine Siedlungskette: im Norden die Brinksitzer, dann die Vollerben, südlich anschließend die Kötner und schließlich die Feuerstätter (Brockmann, Hoffmeyer, Kl. Hesselmann und Scheffeler), die den feuchtesten Hausplatz hatten. Auch in Schmolte siedelten sich südlich der Ortschaft die Feuerstätter Nordmann, Kruse und Freese an.

Sämtliche Höfe waren Eigentum der Diepholzer Grafen bzw. des Amtes Diepholz. So mußten alle Änderungen dem Amt mitgeteilt, bzw. von diesem genehmigt werden. Der Hof wurde in der Regel vom Vater auf den ältesten Sohn übergeben. Hofteilungen kamen selten vor, weil das Amt um die Wirtschaftlichkeit der geteilten Höfe fürchtete, da dadurch natürlich das Steueraufkommen sinken würde. Dennoch lassen sich in Drentwede drei Hofteilungen nachweisen:

  • Um 1580 der Vollerbenhof Bockelmann in zwei Halberbenhöfe.
  • Um 1590 wurde vom Vollerbenhof Rustmann der Hof Heuer abgespalten.
  • Um 1680 der Vollerbenhof Meyer in Schmolte in zwei Halberbenhöfe.

Der Dreißigjährige Krieg (1618 -1648) hatte auch in unserer Gegend seine Spuren hinterlassen. Mehrere Höfe waren verwüstet, deren Besitzer geflohen oder getötet. Erst 20 Jahre später konnten wieder alle Hofstellen bewirtschaftet werden. Um ein schnelles Bevölkerungswachstum zu erzielen, waren die Heiratsgesetze gelockert worden. Dadurch entstanden zum Ende des 17. Jahrhunderts die ersten Familien ohne Grundbesitz, die Häuslinge. Sie wohnten im Nebenhaus eines Bauernhofes, arbeiteten auf dem Hof und bewirtschafteten ein kleines Stück Pachtland.

Um 1740 erfolgte die erste Volkszählung. Anlaß war eine große Mißernte 1739. Das Amt wollte wissen, wieviel Personen zu ernähren seien und welche Vorräte noch vorhanden waren. In Drentwede lebten 1739 demnach 289 Personen, davon 66 in Häuslingsfamilien. Es gab 41 Hofstellen und 21 Häuslinge.
Die weitere Gründung von Hofstellen stieß auf den Widerstand der übrigen Hofbesitzer, die sich in der Nutzung der Gemeindeweide eingeschränkt sahen. Nur auf dem Dieckhaus entstanden weitere Höfe: die Anbauern Plümer (1785), Gastwirt Bormann (1822) und Kramer (1824).

Durch die französische Besatzung (1803 - 1813) kamen neue Ideen ins Land. Die starre Abhängigkeit der Bauern vom Amt begann sich zu lockern. Bisher war der Bauer nur Pächter seines Hofes gewesen, Eigentümer war ursprünglich der Graf zu Diepholz, später über das Amt Diepholz der König zu Hannover. Durch die Ablösungsgesetze 1831 konnte der Bauer durch die Zahlung der 25-fachen Jahrespacht Eigentümer seiner Besitzungen werden. Dadurch war es möglich geworden, Hofstellen und deren Ländereien zu verkaufen. So wurden 1812 der Hof Bockelmann-Kramer verkleinert, 1844 der Hof Riedemann und 1876 der Hof Freese-Schmolte verkauft.

1864 konnte die Gemeinheitsteilung abgeschlossen werden. Dadurch vervielfachte sich der Privatbestand der Bauern, da bis dahin das Weideland von allen Höfen gemeinsam genutzt wurde. Neue Wege und Gräben entstanden, um das Land zu erschließen. Nur wenige Bauern verkauften Teile ihrer Abfindung, so daß bis zum Ende des Jahrhunderts kaum neue Kleinbauerstellen entstanden. An mehreren Wegekreuzungen wurden Wegebesserungsplätze angelegt, die im Laufe der Zeit als Bauplätze verkauft wurden. So entstand auch die "Ziegenstraße" an der heutigen B 51, die erste Drentweder Reihensiedlung.

Die beiden Zentren des Drentweder Landhandels wurden durch den Ausbau der Straße vom Holzkrug zum Bahnhof miteinander verbunden. Ende der 20er Jahre entstanden auf dem Rüstingen, in der Nähe des Bahnhofs und im Hochmoor weitere Ansiedlungen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren viele Menschen aus dem Osten vertrieben worden, manche blieben nur wenige Jahre und zogen dann in die wiederaufgebauten Städte. Andere sahen in Drentwede ihre neue Heimat. So entstanden seit Anfang der 50er Jahre die Siedlungen "Am Sandhügel" und "Am Sportplatz". Seit ca. 1960 entwickelten sich die Siedlungen "Schulstraße", "Schulstraße", "Heideweg" und "Lauen Holz".

Das bisher letzte Baugebiet wurde 10 Jahre später im Bereich der heutigen Straßen Lönsweg, Heinestraße, Kantstraße und Kirchstraße erschlossen.

  1. Adelhorn
  2. Uhlhorn
  3. Dieckmann
  4. Mohrmann
  5. Kramer
  6. Kl. Diekmann
  7. Plümer
  8. Bormann
  9. Heuer
  10. Rustmann
  11. Teggemann
  12. Holzkrug
  13. Kruse von der Hake
  14. Hakemann
  15. Nordmann (Sperrüter)
  16. Niebuhr
  17. Kruese
  18. Grieme
  19. Runge
  20. Bockelmann-Kramer
  21. Bockelmann-Behrens
  22. Wiechers
  23. Hesselmann
  24. Riedemann
  25. Ohmann
  26. Schwarze
  27. Windeler
  28. Brockmann
  29. Hoffmeyer
  30. Kl. Hesselmann
  31. Scheffeler
  32. Sudholz
  33. Kl. Frese
  34. Friese
  35. Meyer-Frese
  36. Meyer-Meyering
  37. Kattau
  38. Kaiser
  39. Wübbeler
  40. Becker-Janzen
  41. Becker-Speckmann
  42. Freese (Schmolte)
  43. Nordmann (Schmolte)
  44. Heid-Kruse

Die 50iger Jahre in Drentwede

Ein Bericht von Bürgermeister Theo Amelung

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren viele Menschen aus dem Osten vertrieben worden, manche blieben nur wenige Jahre und zogen dann in die wiederaufgebauten Städte. Andere sahen in Drentwede ihre neue Heimat. So entstanden seit Anfang der 50er Jahre die Siedlungen "Am Sandhügel" und "Am Sportplatz".

Durch die Gemeinheitsteilungen hatten die Bauer breite, schnurgerade Wege erhalten, für die Entwässerung sorgten Gräben beiderseits der Wege. Einzelne Ackerflächen waren teilweise jedoch gar nicht oder nur durch schlechte Zuwegungen zu erreichen. Wollte man sein Feld bestellen, so war dies nur in Absprache mit dem Flurnachbarn möglich, um dessen Früchte so wenig wie möglich durch Überfahrten zu schädigen.

Im Rahmen der Verkoppelung, heute Flurbereinigung genannt, war auch ein großzügiger Wegebau vorgesehen. Ein Ziel war, daß jede Ackerfläche über ein gut ausgebautes, geradliniges Wegenetz erreicht werden konnte. Außerdem sollten die Straßen im Dorf eine einheitliche Breite erhalten und möglichst wenig Kurven aufweisen, um dem zunehmenden Verkehr Rechnung zu tragen. So haben die Gemeinheitsteilungen und die Verkoppelung ein Wegenetz geschaffen, das im Großen und Ganzen bis heute erhalten geblieben ist.

Folgende Vereine gibt und gab es in Drentwede:

  • Kriegerverein / Kyffhäuser-Kameradschaft
  • Männergesangverein (MGV) / Gemischter Chor
  • Freiwillige Feuerwehr
  • Schützenverein
  • Reitverein
  • Turn- und Sportverein
  • Radfahrverein
  • Landfrauenverein
  • Ortsverein Drentwede des DRK

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