Aktion zum Flächensparen

Bilder vom 30-Hektar-Tag am 09.06.2011

 

Am 10. Mai d. J. veranstaltete der Naturschutzbund Deutschland e.V. mit den Partnerkommunen des REFINA-Forschungsvorhabens "Partnerschaften für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung" erstmalig einen 30-Hektar-Tag auf dem Schlossplatz in Berlin. Schirmherrin war die Bundesministerin für Bildung und Forschung Frau Professor Dr. Annette Schavan. Mit diesem Event sollte auf den enormen Flächenverbrauch in der Bundesrepublik hingewiesen werden, der in dieser Form so nicht weiter geschehen darf. Die Samtgemeinde Barnstorf gehört zu den 8 Kommunen bundesweit, die am REFINA-Projekt "Partnerschaften für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung" teilnehmen. Daher war Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers am 10. Mai 2011 in Berlin dabei. Zudem veranstaltete die Samtgemeinde am 09.06.2011 im Freizeitbad Hunteholz den 30-Hektar-Tag der Samtgemeinde Barnstorf.

Die Veranstaltung in Barnstorf begann mit einer Ansprache des Samtgemeindebürgermeisters, die nachstehend abgedruckt ist. Anschließend wurde über die Thematik in einer bunten Runde diskutiert. Der Norddeutsche Rundfunk Radio Niedersachsen nahm die Veranstaltung zum Anlass für die Sendereihe "Unser Thema" aus Barnstorf zu berichten. Die Sendung wird am 28.07.2011 um 20:05 auf NDR 1 Radio Niedersachsen ausgestrahlt.

Die Diepholzer Kreiszeitung hat ein Video vom 30-Hektar-Tag aufgenommen. Dieses kann unter dem nachfolgenden Link angesehen werden!

http://www.kreiszeitung.de/media/videos/index.html?bcpid=29474154001&bckey=AQ~~,AAAABrtHuqE~,a0cSFTc6nTBX-IKPJpIP0VBWXN07aCgC&bclid=32693695001&bctid=987948167001

Zeitungsbericht über den 30-Hektar-Tag

Eröffnungsansprache durch Samtgemeindebürgermeister Jürgen Lübbers

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich darf Sie zum 30-Hektar-Tag der Samtgemeinde Barnstorf ganz herzlich willkommen heißen. Mein besonderer Gruß gilt
·        Frau Dahlmann aus dem Niedersächsisches Ministerium für Umwelt und Klimaschutz,
·        Bürgermeister Wilhelm Falldorf aus Wagenfeld,
·        den Bürgermeistern und Ratsmitgliedern der Mitgliedsgemeinden,
·        dem Kreislandwirt Lothar Lampe,
·        dem Bäderbetriebsleiter der Stadtwerke EVB Huntetal GmbH Herrn Krempig,
·        Frau Böhm vom Büro mensch & region aus Hannover
·        und Herrn Sternberg vom Marketing-Contor in Bremen.

·        Außerdem freue ich mich ganz besonders, dass ein TEAM des Norddeutschen Rundfunks aus dem Landesstudio in Hannover heute hier ist und ab etwa 18:00 Uhr die Thematik dieser Veranstaltung nutzt, um die Sendung „Unser Thema“ aufzuzeichnen, die am 28.07.2011 um 20:05 Uhr auf NDR Radio Niedersachsen ausgestrahlt wird. Besonders begrüßen möchte ich den Moderator Lars Cohrs mit allen anderen anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

An der Gesprächsrunde, die am INFO-Mobil ausgetragen wird, nehmen neben dem Moderator Lars Cohrs, Frau Dahlmann als zuständige Mitarbeiterin des Nds. Umweltministeriums, die Bürgermeister Wilhelm Falldorf, Wagenfeld und Friedrich Iven, Drebber, Kreislandwirt Lothar Lampe und ich teil.

Über die heutige Veranstaltung wird auch das Diepholzer Kreisblatt berichten. Daher freue ich mich über die Anwesenheit der Redakteurin Frau Brauns-Bömermann. Ebenso vertreten ist die Oldenburgische Volkszeitung durch Herrn Deters, dem ebenfalls ein Willkommensgruß gilt. Außerdem möchten wir das heutige Geschehen gerne in einem Video festhalten. Der ehemalige Mitarbeiter der Kreiszeitung Reinhold Dufner hat sich bereit erklärt, die Aufnahme für uns zu machen, da er über ausreichend Erfahrung verfügt.  

Vertreter aus der NABU-Bundesgeschäftsstelle in Berlin können heute aus terminlichen Gründen leider nicht anwesend sein. Für die nachfolgende Radiosendung wollte der NDR aber per Telefon Interviews mit den zuständigen Personen führen.

Am 10. Mai d. J. veranstaltete der Naturschutzbund Deutschland e.V. mit den Partnerkommunen des REFINA-Forschungsvorhabens "Partnerschaften für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung" erstmalig einen 30-Hektar-Tag auf dem Schlossplatz in Berlin. Schirmherrin war die Bundesministerin für Bildung und Forschung Frau Professor Dr. Annette Schavan. Mit diesem Event sollte auf den enormen Flächenverbrauch in der Bundesrepublik hingewiesen werden, der in dieser Form so nicht weiter geschehen darf.

2004 betrug der Verbrauch unversiegelter natürlicher und naturnaher Flächen für Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsflächen bundesweit täglich 104 ha. Das entspricht einer Fläche von 143 Fußballfeldern. Im gesamten Jahr sind das 38.000 ha. In den letzten Jahren ist der Flächenverbrauch im gesamten Bundesgebiet zwar kontinuierlich gesunken. Zurückzuführen ist dieses aber in erster Linie auf ökonomische und demographische Entwicklungen. Wenn die Wirtschaft nur verhalten wächst, ziehen weniger Arbeitskräfte aus dem Ausland zu. Die Geburtenrate ist zudem schon lange sehr niedrig. Mithin können in vielen Kommunen die Sterbefälle und Wegzüge nicht mehr durch Zuzüge und Geburten kompensiert werden. Dieses führt dazu, dass die Bevölkerung bundesweit stagniert und in vielen Regionen schrumpft. Auch in unserer Samtgemeinde sinkt die Zahl der Einwohner. Die Prognose bis zum Jahr 2019 sieht für uns einen Bevölkerungsschwund von 5 % vor.

Durch diese Einflüsse ist die Flächeninanspruchnahme im Jahr 2009 bundesweit sogar auf 78 ha pro Tag gesunken. Dennoch ist der Flächenverbrauch immer noch zu hoch und dürfte mit dem wirtschaftlichen Aufschwung seit 2010 auch wieder gestiegen sein. Die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung sieht für das Jahr 2020 eine Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlung und Verkehr von nur noch 30 ha vor. Davon sind wir sehr weit entfernt! Um die Gesellschaft für dieses Ziel zu sensibilisieren führt der NABU zusammen mit 8 Kommunen in ganz Deutschland das Projekt „Partnerschaften für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung“ durch. Die Samtgemeinde Barnstorf ist die nördlichste der Partnerkommunen. Zu den vielfältigen Aktionen des Projektes gehört auch der 30-Hektar-Tag. Der NABU wählte den 10. Mai bewusst aus, denn schon an diesem Tag, also dem 10. Mai war die gesamte Jahresfläche des Nachhaltigkeitsziels der Regierung aufgebraucht, also 30 Hektar. Ab diesem Tag müssten die Schaufelbagger, Planierraupen und Betonmischer für den Rest des Jahres in Deutschland stillstehen, um das Flächensparziel der Bundesregierung zu erreichen.

Betrachtet man die letzten Jahre insgesamt, so betrug der durchschnittliche jährliche Flächenverbrauch knapp 100 Hektar. Daraus hat der NABU einen bundesweiten Flächenverbrauch pro Minute von 625 Quadratmeter errechnet. So groß ist auch das Banner, das NABU-Vertreter und Bürgermeister, dazu gehörte auch ich, auf dem Berliner Schlossplatz am 10. Mai entrollt haben. Gleich wird dieses Banner hier im Freizeitbad Hunteholz ausgerollt. Dann können alle optisch verfolgen, wie groß tatsächlich der Flächenverbrauch pro Minute ist. Unser herrliches Freibad mit der einladenden Liegewiese hat eine Gesamtgröße von 20.228 qm. Wenn der gesamte Flächenverbrauch der Bundesrepublik in Barnstorf stattfinden würde, wäre diese wunderbare Freizeiteinrichtung in gut 30 Minuten zubetoniert. Ich glaube das möchte keiner der Anwesenden!

Aber es zeigt, wie wichtig hier ein Umdenken ist.

Eine fortschrittliche Kommune erkennt man nicht mehr – wie früher – an der Anzahl neuer Wohnbaugebiete, also am Flächenverbrauch, sondern an visionären Konzepten zur Nutzung vorhandener Brachen und Weiternutzung oder Umnutzung vorhandener Bausubstanz. Neubauten werden auch künftig notwendig sein – aber nicht mehr auf der „grünen Wiese“ sondern dort, wo die Infrastruktur schon vorhanden ist, die sowieso unterhalten werden muss.

In der Samtgemeinde Barnstorf ist von den Einwohnerinnen und Einwohnern ein Leitbild erarbeitet und vom Samtgemeinderat verabschiedet worden. Dort ist u. a. geregelt, den Flächenbedarf durch Flächenrecycling, Innenentwicklung und Umnutzung zu decken. Wichtiger Impulsgeber hierfür waren die Vertreter der Landwirtschaft, die den enormen Wert der Fläche als erstes mit erkannt haben.

Wir haben ein Baulückenkataster erstellt, das auf der Homepage von jedem Interessierten genutzt werden kann. Mit „Google-Earth“ kann man sich in die verfügbaren Baulücken einzoomen und so einen realistischen Eindruck des Grundstückes und der Umgebung erhalten. Zudem hat der Samtgemeinderat das Förderprogramm „Leben mittendrin“ verabschiedet. Danach werden Zuschüsse für den Erwerb alter Gebäude und die anschließende Renovierung bzw. den Abriss und anschließenden Neubau gewährt. Dadurch stärken wir unsere Ortskerne, sowohl hier in Barnstorf als auch in den anderen Mitgliedsgemeinden Drebber, Drentwede und Eydelstedt. Für diese – eher ländlich geprägten Kommunen – wurde daher der Slogan „Midden int Dörp“ geprägt. Die Ortskerne sollen durch weitere Maßnahmen attraktiver gestaltet werden. Dazu gehören u. a.
·        neue Formen für altersübergreifendes Wohnen und
·        Maßnahmen des Klimaschutzes.  

Unser Ziel ist es, eine lebendige Samtgemeinde Barnstorf zu gestalten.  

Auch im Bereich der gewerblichen Entwicklung versuchen wir, den Flächenverbrauch zu regulieren. Das bedeutet aber nicht, dass sich die Firmen in der Samtgemeinde nicht weiter entwickeln können! Wir brauchen unsere Unternehmen! Anders als in der Vergangenheit werden jedoch keine Gewerbegebiete auf Vorrat eingerichtet sondern nur bei Bedarf einzelner Unternehmen wird kurzfristig gehandelt. Außerdem wird intensiv geprüft, wo auch hier eine nicht störende Innenentwicklung möglich ist oder wo eine Brache zur Verfügung steht. Dass dieses sinnvoll gelingen kann, hat die Umnutzung der Hülsmeyer-Kaserne in den Hülsmeyer-Park gezeigt. Hier wurden etwa 20 Hektar umgenutzt. Die dort angesiedelten Unternehmen wären ansonsten wohl auf die „grüne Wiese“ gegangen. Das allerdings nicht unbedingt in unserer Kommune. Durch die hervorragend gelungene Vermarktung der ehemaligen Kaserene konnten wir sogar neue Firmen gewinnen und zeigen, dass Kommunen mit Flächensparen auch kurzfristig finanziell gewinnen können. Sicherlich war dieses auf zahlreiche „glückliche Umstände“ zurückzuführen, aber auch auf viel Engagement und Überzeugungskraft.  Das sollte uns animieren, hartnäckig am Ziel der Verminderung der Flächenreduzierung festzuhalten, was wir mit dem Ausrollen des Banners gleich verdeutlichen wollen. Damit sich die richtige Atmosphäre dazu einstellt, wird diese Aktion von Baulärm begleitet, den wir über die Lautsprecher einspielen.

Wir möchten auch dokumentieren, wie wichtig Flächensparen für die künftigen Generationen ist. Daher haben wir Jugendliche aus der Samtgemeinde gebeten, das Ausrollen vorzunehmen. Für die Organisation darf ich mich bei den Mitarbeitern des Jugendzentrums, Bianca Keller und Jörg Brandt und bei unserer Jugendpflegerin Eva-Maria Kreiling bedanken.

Eine weitere Aktion zur Stärkung der Innenverdichtung und zur Öffentlichkeitssensibilisierung des Themas „Flächenreduzierung“ wird eine Messe im Barnstorfer Umwelt-Erlebnis-Zentrum sein. Am 24. und 25.09.2011 findet dort die UmBau statt, die Barnstorfer Fachmesse für nachhaltiges Bauern & Leben. Bei der Organisation werden wir von der Firma Marceting-Contor aus Bremen unterstützt. Themen der Messe werden u. a. sein:

·        Nachhaltige Bau- und Sanierungskonzepte
·        Dämm- und Heiztechniken
·        Stromerzeugung durch erneuerbare Energien
·        Ökologische Baustoffe
·        Flächen sparen
·        Alternative Wohnformen
·        Finanzdienstleistungen, Fördermöglichkeiten
·        Baulückenkataster und kommunales Förderprogramm.

Die Aktion „30-Hektar-Tag“ wird der NABU im nächsten Jahr fortführen, dann hoffentlich mit einem Banner, das kleiner ist als 625 Quadratmeter und zu einem Zeitpunkt, der deutlich später im Jahr liegt als der 10. Mai. Das würde signalisieren, dass der Weg zum 30-ha-Ziel kürzer wird. Wir in der Samtgemeinde Barnstorf jedenfalls werden ganz bewusst unseren Beitrag dazu leisten. Denn Gewinner sind wir alle und künftige Generationen.

 

Hinweis auf den 30-Hektar-Tag am 09.06.2011
(Homepagenews der Samtgemeinde Barnstorf - veröffentlicht bis 09.06.2011)

Der Rat der Samtgemeinde Barnstorf hat am 09.03.2009 einen Beschluss über ein "Nachhaltiges Flächenmanagement" gefasst. Das bedeutet, in der Kommune werden grundsätzlich keine neuen Baugebiete ausgewiesen. Statt dessen setzen wir auf Innenverdichtung. Hierzu ist ein Baulückenkataster eingerichtet und ein Förderprogramm "Leben Mittendrin" zum Erwerb und zur Sanierung alter Bausubstanz verabschiedet worden. Näheres siehe unter Innenverdichtung.

Als eine von acht Partnerkommunen des Projektes "Partnerschaften für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung" erarbeitet die Samtgemeinde gemeinsam mit dem NABU Kommunikationsstrategien, die den Nutzen einer flächensparsamen, auf die Innenentwicklung konzentrierten Siedlungsentwicklung im Bewusstsein von Politik, Verwaltung und Bürgern verankern sollen. Dazu gehört auch die Aktion "30-Hektar-Tag". Hierzu findet am 09.06.2011 eine Veranstaltung in Barnstorf statt. Um 17:00 Uhr wird im Freizeitbad ein Banner ausgerollt. Die Bannergröße entspricht dem Flächenverbrauch pro Minute in Deutschland.

Ab 18:00 Uhr wird im Ratssaal des Rathauses eine Radiosendung des NDR zum Thema "Flächenverbrauch und Innenverdichtung" aufgezeichnet. Moderator Lars Cohrs wird Verantwortliche des NABU, der Verwaltung und der Kommunalpolitik zu diesem Thema befragen.

Beide Veranstaltungen sind öffentlich. Eintritt wird nicht erhoben.

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